
Bulimba, das ist der klingende Name jenes Stadtteils, oder besser gesagt Grätzels, wo wir gerne hingehen, wenn wir etwas brauchen, haben möchten, bummeln und trinken gehen, von unserem aktuellen Homestay in Brisbane aus. Es ist auch das einzige Grätzel weit und breit, wo einigermaßen etwas los ist, wo man alles an Geschäften und Infrastruktur findet, was man üblicherweise so braucht oder haben möchte.



Wir sind nur zwei Tage hier, zwei Nächte in der Unterkunft in dieser sehr ruhigen Gegend von Brisbane. Wie viel Welt brauche ich um mich herum? Dieses Grätzel wurde zu unsrer Welt, für kurze Zeit. Die letzten zwei Stunden haben wir in einer Kneipe verbracht. Es war so nett und angenehm, ich hatte beinahe ein wenig Herzschmerzen bei dem Gedanken, hier nie wieder her zu kommen, mit verdammt hoher Sicherheit, morgen geht’s wieder zurück nach Melbourne. Die Leute um uns herum waren so ausgelassen glücklich, aber nicht schrill, nicht schreiend. Wir hatten kurz Kontakt, just lovely. Dann die Jungs an der Bar, ich hatte Lust auf einen Long Island Ice Tea, der nicht auf der Karte stand. Ich bekam einen improvisierten, sehr lecker, schwächer im Alkoholgehalt als gewohnt, wesentlich mehr in der Menge, und sehr billig, im Vergleich. Wunderbar!

Wir waren heute im Lone Pine Koala Sanctionary, einer Tierschutz- und Bildungseinrichtung für Koalas, Kängurus, andere Wildtiere, die Schutz benötigen, und für in Australien heimische Haustiere. Wir hatten uns bislang nur in Städten rumgetrieben. Es kann ja nicht sein, dass wir (vermutlich einmal im Leben) nach Australien kommen und nie in die Nähe von Koalas und Kängurus kommen! Ja, das haben wir erledigt.



Koalas sitzen nur in einer Astgabel rum und haben Eukalyptus-Blätter in Reichweite, sind damit extrem leicht zu halten, auf sehr einfachen Konstruktionen, um nicht zu sagen Stangen, Ästen am Boden verankert. Der Boden bleibt frei und kann leicht gereinigt werden. Die Äste mit Eukalyptus-Blättern dran stecken in mit Wasser gefüllten Rohren. Diese werden ausgetauscht, dann muss Koala sich nie fortbewegen und findet das super. Das wars. Hier sehen wir Koalas, die hier in Frieden alt werden dürfen, viel älter als in der freien Wildbahn, um die 15 Jahre, draußen kommen sie maximal auf 10 Jahre.


Die Kängurus, an Menschen gewohnt, die sie aus der Hand füttern, sind super lieb! Ich mag mir einbilden, dass es ihnen hier gut geht. Sie wirken super entspannt, haben viel Platz, müssen nicht ums Überleben kämpfen und um Nahrung rennen, können einfach sein.
Äh, ich habe nicht gesagt, sperrt alle Kängurus ein, das ist cool! Ich habe nur gesagt, diesen hier scheint es gut zu gehen, wobei ich zugegebenermaßen praktisch nix über diese Tiere weiß, hab nur Eindrücke.

Dieser Ausflug bringt sowas wie Legitimations-Bonuspunkte. Wir haben etwas gesehen, uns bewegt, der Rest des Tagesverlaufes ist dann schon ok, für die Bilanz. Brauche ich das selbst, um abends dann diese wohltuende Genügsamkeit in diesem Pub spüren zu können? Muss ich mich mir oder anderen gegenüber irgendwie legitimieren, damit ich entspannen kann? Ich fürchte da ist was dran. Jedenfalls hat das heute so nach diesem Muster wunderbar geklappt.

Kann ich nicht einfach in Bulimba ein Zimmer mieten und damit glücklich sein, hier ein paar Tage zu verbringen? Ich fürchte nein. Also, ich nicht. Ich fürchte das liegt an den Dämonen, die an mir kleben. Durch Bewegung in fremden Gefilden sind diese gut ruhig zu halten. Wehe es kehr Stillstand ein! Die beiden Bücher, die ich mitgebracht habe, hatte ich bislang kein einziges mal aufgeschlagen. Ich sehne mich an einen entspannten Buch lese Modus, doch der mag sich nicht einstellen. Nun, so geht’s nun wieder zurück nach Melbourne, ich freu mich drauf!

Warum eigentlich zurück und nicht eine Ecke weiter auf diesem Kontinent, der so vieles bieten kann? Das hat schon auch ökologische Gründe und mit dem In Grenzen Halten von Flugstrecken zu tun, und Reisekosten. Und, anknüpfend an weiter oben, was braucht’s denn um mich zufrieden zu fühlen? Möglichst viel sehen, abhacken auf der Australien-Reise? Nein, bitte nicht.
