Back in Hanoi, same same, but different! 🙂

Langsam freunde ich mich an. Langsam.

Wenn ich mit jemandem flüchtig über Vietnam sprach, kam sehr häufig „ach, Vietnam ist soo schön!“, woraufhin ich unvermittelt in Verlegenheit geriet, denn ich konnte dem nicht gleichzeitig zuzustimmen und ehrlich bleiben.

Im Jahr 2024 verbrachte ich zirka 30 oder 40 % meiner Zeit in Vietnam, ich hab’s nicht ausgerechnet. Jetzt, im März 2025 bin ich wieder in Hanoi, und es scheint sich etwas zu bewegen an meinen Widerständen, was mich freut, erleichtert, hoffnungsvoll stimmt.

Ich bin ja durchaus überzeugt, dass meine Widerstände lediglich Trigger sind. Tja, wissen, oder glauben zu wissen, nützt oftmals gar nix im Leben. Der Raucher weiß, dass ihn der Rauch umbringen wird, nützt gar nix. Selbst einer der super gescheitesten Menschen dieser Welt, Sigmund Freud, der bereits schwer an Zungenkrebs litt, und genau wusste, dass dies vom Rauchen kam, konnte nicht damit aufhören. Ich weiß, dass Alkohol mein am stärksten limitierender Faktor ist, in meinem aktuellen Leben, nützt bislang auch nix. Will heißen, dass ich es DESWEGEN nicht ändern werde, da brauchts etwas anderes.

Was macht es nun aus, dass ich Hanoi langsam besser annehmen kann? Ich ärgere mich nach wie vor häufig, sobald ich auf der Straße unterwegs bin. Mich ärgert Rücksichtslosigkeit und scheinbarer Egoismus, Gockel-Gehabe. Bin ich selbst dieser Möchtegern Platzhirsch, der das Gehabe der Artgenossen nicht erträgt, ist es wirklich so einfach? Ich glaube nicht.

Es gibt da einen Verdacht. Meine Mutter war stets sehr darauf bedacht „nicht zu stören“, diese schwerwiegende Message habe ich mit auf meinen Lebensweg bekommen. Diesen beschreite ich nun doch schon seit über 60 Jahren. Aus dem „ich will nicht stören“ wurde mittlerweile ein „steh hier nicht im Weg rum, du rücksichtsloser Rüpel!“, so mein Verdacht.

Anyway. Ich freunde mich an. So als würde etwas abfallen, abbröckeln, eine starre Grenze durchlässiger werden.


Wir fahren mit dem Bus. Nur ein Sitz ist frei, halb frei, denn eine Frau hat ihre übervolle etwas größere Handtasche neben sich abgestellt. Huong macht eindeutige Anstalten den Sitz einnehmen zu wollen. Die Frau rührt kein Ohrwaschl, die Handtasche bleibt auf dem Sitz neben ihr. Mir fährt unvermittelt der Trigger ein. Huong quetscht sich zwischen Handtasche und der Frau auf dem nächsten Sitz, macht schiebende Pendelbewegungen mit dem Hintern, bis sie sitzt. Ich bin fassungslos! Wie kann man nur so rücksichtslos sein?


Huong scheint kein Problem zu haben, alles ok. Ich bin nur Beobachter und vollends getriggert, geradezu außer mir. Huong ist betroffene und völlig entspannt. Dies gibt mir zu denken. Ich bin hier in Vietnam in einem Intensiv-Trigger-Training unterwegs. Ich erkenne als höchst aktuelle Herausforderung, meinen Umgang mit Urteilen zu hinterfragen. Offenbar fälle ich Urteile, klar und hart. Damit beladen be-urteile ich meine Umwelt. Das Muster ist klar: ich weiß was richtig oder falsch ist. Andere Menschen, involvierte Menschen gar bleiben davon völlig unberührt, alles spielt sich nur in meinem Kopf, mit meinen Emotionen ab. Also: ICH habe ein Problem. Ich habe etwas zu lernen. Ich werde wohl noch mehr Zeit in Vietnam verbringen. Möchte ich mich weiterhin ärgern, weiter urteilen und schimpfen über all diese Rücksichtslosigkeiten? Nein, das muss anders gehen.

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